Klezmer kennt keine Grenzen
Foto: Harald Sippel 
Machte bei ihrem ersten großen Auftritt Eindruck: die Nürnberger Klezmergruppe Global Shtetl Band. Alle
 
Ja, von der überdachten Bühne aus lässt sich leicht scherzen. "Wenn man den Regen nicht hört, dann existiert er auch nicht", wünscht Sänger und Bassist Markus Milian Mueller dem tapferen Publikum auf dem Trödelmarkt - und lässt seine Global Shtetl Band immerhin so aufspielen, dass man den Regen wirklich nicht hört. Aber dennoch spürt . . .

Das soll der Klezmer-Musik ihre gewissermaßen magische Wirkung nicht absprechen. Man hat sie ja auch schon am Eröffnungsabend des Bardentreffens am eigenen Leib ganz modern miterleben dürfen: Als die weltbekannte Amsterdam Klezmer Band samt DJ auf dem Hauptmarkt vorführte, wie sich traditionelle Klänge als kraftvoller Remix ausnehmen. Witzig, wie sich da chassidische Geigen in einen fetten Reggaebeat hineinfiedeln!

Aber auch die Global Shtetl Band sorgt als frischer Lokalfavorit beim Bardentreffen für hitzige Tänze und melancholisch schöne Weisen. Erst ein Jahr gibt es die Nürnberger Klezmerband, im letzten Frühjahr wurde sie in der Villa Leon aus der Taufe gehoben. Mittlerweile hat das Trio sein erstes Album herausgebracht und einen Schwerpunkt gefunden, den andere nicht haben: die aparte Mischung aus osteuropäischem Klezmer und lateinamerikanischer Musik.

Beispiel: ein Mambo aus den 50ern, kombiniert mit dem Hohen Lied Salomons - natürlich auf Jiddisch, denn das hat Bandgründer Markus Milian Mueller, nebenbei Dozent für Psychologie an der Uni Eichstätt, schließlich studiert. Mueller bezieht sich auf eine jüdische Emigrantenkultur, die es in Städten wie Buenos Aires einst gegeben hat. Wichtiger noch ist es ihm aber, mit den Dingen zu spielen: alte Lieder, neue Texte - alte Texte, neue Lieder. Es zählt: der Spaß.

Mit dem Schlagzeuger Daniel Piccon aus Feucht und dem polnischen Akkordeonisten Bartek Stanczyk hat er, wie der Jubel am Trödelmarkt beweist, das ideale Team dafür gefunden.

Wolf Ebersberger